PROKTOLOGIE

Die ist ein medizinisches Teilgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Enddarms, also des
Mastdarms und des Analkanals beschäftigt.

Bild3 ger

Anatomie und Physiologie des Kontinenzorgans, häufige Krankheiten

Der Mastdarm (das Rektum) und der Anus bilden den letzten Teil des Verdauungstraktes. Im Bereich des Anus finden sich verschiedene willkürlich und unwillkürlich steuerbare Muskeln, die als Schließmuskel (Sphinkter) fungieren und in engem Kontakt zur Muskulatur des Beckenbodens stehen. Darüber hinaus existiert ein sogenannter Schwellkörper (Corpus cavernosum recti), der zusammen mit dem Sphinkter den Verschluss des Afters und somit die Kontinenz sichert(auch Plexus hämorrhoidalis internus genannt). Bei gestörter Entspannung dieses Muskels kommt es demnach zu einem Blutrückstau und in der Folge zu einem Vorfall der eben für die Feinkontinenz wichtigen und physiologischen Hämorrhoidalpolster. Man spricht dann vom sog. Hämorrhoidalleiden, welches unterschiedliche Schweregrade einnehmen kann.

 

 

 

Bild4 gerIm Übergangsbreich zwischen Mastdarm und Analkanal, der sog. Übergangszone, die mit einem speziellen Übergangsepithel ausgekleidet ist, liegt auch die Grenze zwischen der schmerzlosen Rektumschleimhaut und der äußerst schmerzempfindlichen Analhaut, welche durch eine „gezahnte Linie“ (auch lateinisch Linea dentata bezeichnet) im Proktoskop sichtbar ist. Dies erklärt auch die Möglichkeit der betäubungsmittelfreien Operation von beispielsweise zweitgradigen Hämorrhoiden mittels Gummibandligaturen (die oberhalb dieser Linea dentata auf die vergrößerten Hämorrhoidalpolster platziert werden.

 

 

Bild5 gerAn dieser Übergangszone finden sich zudem auch die sog. analen Krypten, in die die Proktodealdrüsen münden, die nicht selten Ausgangspunkt von analen Abszessen sind. Dabei kommt es zu einer eitrigen Entzündung, die zu einer schmerzhaften Schwellung am Afterrand führt. Therapie der Wahl ist die Eröffnung dieses Abszesses.

Analfistel sind Eitergänge zwischen dem Afterkanal und der Afterumgebung und müssen nach Abheilen des Analabszesses in einer zweiten Operation vollständig gespalten oder ausgebaut werden, um ein Wiederauftreten von Abszessen zu vermeiden.

Vorwiegend im sensiblen Analhautbereich kann es durch äußere Verletzungen (z.B. durch zu häufiges, zu festes Wischen mit Toilettenpapier, aber auch durch die Anwendung kosmetischer Reinigungstücher, die längerfristig zu einem Austrocknen der Analhaut führen können) oder durch zu festes Pressen beim Stuhlgang bei Verstopfung (Obstipation) zu Einrissen der Analhaut kommen (sog. Analfissuren), die äußerst schmerzhaft sind und teilweise sehr stark bluten können.

Bei all diesen Krankheitsbildern kann es im Analrandbereich, auch unter dem zusätzlichen Einfluß von Kälteeinwirkung, Schwangerschaft, lokaler Durchblutungsstörungen, etc. zur Ausbildung von sehr schmerzhaften Analvenenthrombosen kommen, die umgangssprachlich fälschlicherweise als „äußere Hämorrhoiden“ bezeichnet werden, im Gegensatz dazu aber meist einzeln auftreten und rein venöses zurückgestautes Blut.

Unter zahlreichen und mannigfaltigen Entzündungen und Infektionen im Analbereich seien die Virusfeigwarzen oder auch Condylome genannt. Es handelt sich hierbei um eine Papillomavirusinfektion, die sich im Anal- und Genitalbereich manisfestiert.

 

Eine Proktoskopie ist daher eine Standarduntersuchung vor jeder Therapie.


Glossar

  • Hämorrhoiden – krampfaderartige Erweiterungen der Äste der oberen
  • Rektalarterie oder des Venengeflechts
  • Stuhlinkontinenz – Probleme, den Stuhl zu halten
  • Analfissur – Einriss in der Afterschleimhaut
  • Analabszess - Eiteransammlung
  • Analfistel – Eitergang, der sich in den Darm oder zur Haut hin mit eitrigem Sekret entleert
  • Perianalthrombose – Blutgerinnsel in den äußeren Venen des Afters
  • Marisken - Hautlappen am After
  • Condylomata acuminata - Feigwarzen