ANDROLOGIE

Andrologie lässt sich wörtlich als “Männerheilkunde” übersetzen. Dieses Spezialgebiet der Medizinbefasst sich mit Störungen der Geschlechtsentwicklung und Sexualität des Mannes. Somit ist die Andrologie die männliche Entsprechung der Gynäkologie.
Beide medizinischen Fachgebiete sind für heterosexuelle Paare Teil eines Teams, da sich Störungen der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit und Sexualität immer auch auf die Partnerin auswirken. Die gegenseitige Beeinflussung dieser beiden Disziplinen zeigt sich auch in den vielen zur Zeit laufenden Untersuchungen zur Frage, ob es den weiblichen Wechseljahren entsprechende Veränderungen auch beim alternden Mann gibt. Die Andrologie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit:

  • den Störungen der Zeugungsfähigkeit (Infertilität),
  • vorzeitiger Samenerguß
  • den Störungen der Hormonbildung im Hoden (Hypogonadismus),
  • den Störungen der Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion),
  • der männlichen Verhütung (Kontrazeption) und
  • den Alterungsprozessen des Mannes (Seneszenz).

 

Hormonmangel, Anti-Aging

Neben anderen Teilbereichen wie Reproduktion und Reproduktionsstörungen und die Endokrinologie des Mannes stellt sich in der „Andrologie die Seneszenz und die Behandlung von andrologischen Problemen in der Seneszenz als ein Schwerpunkt dar“ (E. Nieschlag, Andrologie, Springer Verlag, 2.Aufl. 2000)


Spezielle andrologische Aspekte und Maßnahmen beim alternden Mann (Seneszenz)

Durch die einsetzenden Alterungsprozesse beim Mann kommt es individuell unterschiedlich ausgeprägt vermutlich durch den zunehmenden Hormonmangel (insbesondere Testosteron) zu Rückbildungs- bzw. Mangelerscheinungen im körperlichen, geistigen und seelischen Bereich, die sich äußern können als: Auftreten von Versagensängsten und verminderter Belastbarkeit. Eine genauere Betrachtungsweise der Testosteronbildung und Wirkung ist daher angebracht:

- Testosteron entsteht aus Cholesterin, zu ca.95% in den Leydig- Zellen des Hodens, zu 5 % in der Nebennierenrinde. Die Stimulation zur Testosteron- Synthese erfolgt über die Hormon- Achse Hypothalamus
( Stammhirn)-Hypophyse(Hirnanhangsdrüse), der Testosteronspiegel wird über einen Rückkopplungsmechanismus im Stammhirnbereich gesteuert. Die täglich produzierte Testosteronmenge beträgt beim Mann etwa 6-7mg.

- Die Stimulation erfolgt pulsatil, alle 60-120 Minuten, nachts verstärkt. Der Abbau des Testosterons erfolgt über die Leber, nach Metabolisierung werden die Abbauprodukte (17-Ketosteroide) über den Urin ausgeschieden.

- Die Entfaltung der Testosteronwirkungen erfolgt über Androgenrezeptoren (Schloss-Schlüsselmechanismus). Die Wirkung am Rezeptor ist offenbar abhängig von der Zahl der CAG-Triplet-Repeats. Die genetische Lokalisation des Androgenrezeptors liegt interessanterweise auf dem X-Chromosom.

Wirkungen auf den Körper
  1. Wirkung auf Haut, Haare und Kehlkopf.
  2. Wirkung auf Muskulatur
  3. Wirkung auf Leber und Gefäßsystem
  4. Wirkung auf Blutbildung und Knochen
  5. Wirkung auf das Zentralnervensystem, Konzentrationsvermögen, mathematische
  6. Begabung und Kompositionstalent sollen durch Androgene vermittelt werden

Sexualwirkungen des Testosterons (somatisch und psychisch)
  • Wirkung am Hoden: Samenbildung
  • Ableitende Samenwege(Nebenhoden, Samenblase und Prostata: Entwicklung und Wachstum bis z. Abschluss der Pubertät
  • Penis: Größenwachstum bis Pubertätsabschluss
  • Sexueller Antrieb

Der Testosteronabfall im Alter

durch verminderte Produktion einerseits, Verringerung des bioaktiven freien Hormons durch den SHBG- Anstieg andererseits führt zu:

  • Anämie (Blutarmut). Niedergeschlagenheit, Rückbildung von Knochen- und Muskelmasse, Zunahme der Fettmasse
  • Verringerung der Grob-und Feinkoordination (Geschicklichkeit).
  • Verringerung von Konzentration, Gedächtnisleistung und anderer intellektueller Fähigkeiten.

im urologisch- andrologischen Bereich speziell:
  • Störungen beim Wasserlassen und -Halten ( „Reizblase“) durch Einsetzen einer Prostatavergrößerung und infolge von Durchblutungsstörungen.
  • Erektionsstörungen sowie Abnahme des sexuellen Verlangens.
  • Hier kann durch körperliche Untersuchung, Ultraschalluntersuchungen des Harntraktes und der Prostata sowie durch Bestimmung der Hormonwerte insbes. auch der Sexualhormone im Blut eine Abklärung erfolgen und durch vielfältige Maßnahmen bis hin zur Gabe von Medikamenten, Sexualhormonen und Operation Abhilfe geschaffen werden.

Allgemeine Überlebensstrategien für alle älteren Männer:
  • Sport
  • Ernährung
  • Substitution
  • Vorsorge und
  • Früherkennung

Wie halte ich mich als "alternder Mann" fit?
  1. Ernährungsmaßnahmen.
  2. Zusätzliche Hilfsstoffe („Antioxidantien“).
  3. Sport- als Training für Körper, Geist und Seele

Als ungefähre Faustregel gilt: 3-5x pro Woche 1 Stunde Ausdauerbelastung . Hierbei soll durch eine Betätigungmöglichst vieler Skelettmuskeln mit einer Belastung von ca. 60-65% der maximal möglichen Belastung im aeroben Bereich erfolgen (mögliche Faustregel: 180 minus Lebensalter gleich Pulsfrequenz).